Sechs Tage zwischen Hoffen, Bangen und der ständigen Angst, dass etwas passiert.
Treuenbrietzen | 22.–28.10.2026
Manchmal sind es Einsätze, die uns noch lange beschäftigen. Weil sie uns an unsere Grenzen bringen, weil wir Momente erleben, in denen uns das Herz stehen bleibt – und weil sie uns gleichzeitig zeigen, wie unglaublich viel man gemeinsam erreichen kann.
Resis Sicherung war genau so ein Einsatz. ![]()
Donnerstag – der Albtraum beginnt
Am Donnerstag, dem 22.10.2026, gegen 15 Uhr entlief die Deutsche Dogge Resi in Treuenbrietzen, in unmittelbarer Nähe der stark befahrenen Bundesstraße 2. Besonders besorgniserregend: Resi hatte noch ihr Halsband samt Leine um.
Nach einer ersten telefonischen Beratung und Abstimmung machten wir uns umgehend auf den Weg, um vor Ort zu unterstützen und die weiteren Maßnahmen zu koordinieren.
Noch während wir uns etwas abseits der Bundesstraße einen Überblick verschafften, passierte es: Plötzlich stand Resi mitten auf der Fahrbahn – im Scheinwerferlicht eines Autos!
Auf Ansprache reagierte sie mit Flucht in den angrenzenden Wald.
Wenig später folgte ein Moment, den wir so schnell nicht vergessen werden.
Quietschende LKW-Reifen. Dann Stille.
Wir rannten in Richtung des vermuteten Unfallortes. Der LKW setzte seine Fahrt fort, noch bevor wir dort ankamen. Was wir vorfanden, waren Bremsspuren. Kein Blut. Keine verletzte Resi.
Ein kurzes Aufatmen. Aber die Angst blieb. Denn uns war klar, dass Resi jederzeit erneut auf die Fahrbahn laufen könnte.
Inzwischen hatte sich ihr Entlaufen herumgesprochen. Immer wieder hielten Autofahrer an, fragten nach und boten ihre Hilfe an. Innerhalb kürzester Zeit entstand ein kleines Team aus unglaublich engagierten Menschen, die uns nicht nur tatkräftig, sondern auch mit zusätzlicher Technik unterstützten.
Doch als Resi spät in der Nacht selbst vor vertrauten Menschen flüchtete, war klar: Wir mussten Ruhe in die Situation bringen.
Wir installierten Wildkameras, richteten eine Futterstelle ein und Resis Menschen verbrachten die Nacht vor Ort im Fahrzeug.
Freitag – gesehen und wieder verschwunden
Bis zum späten Nachmittag blieb es ruhig. Dann endlich ein Anruf: Resi hielt sich auf einem riesigen, bewaldeten und nur teilweise eingezäunten Grundstück in Treuenbrietzen auf.
Mit Unterstützung einer Drohne betraten wir das Gelände. Unsere Hoffnung war, dass Resi bei Tageslicht weniger panisch reagieren würde.
Leider vergeblich.
Sie flüchtete auf ein benachbartes Grundstück. Dessen Bewohner staunten nicht schlecht, als plötzlich eine ausgewachsene Dogge in ihrem Garten stand.
Doch auch dort fand Resi einen Ausgang und verschwand erneut.
Nun mussten wir weiträumig Suchflyer verteilen. Wir brauchten dringend zuverlässige Sichtungen, um ihre Bewegungen nachvollziehen zu können.
Eine weitere Sorge begleitete uns dabei ständig: Was, wenn Resi mit ihrer Leine irgendwo hängen geblieben war und sich nicht mehr selbst befreien konnte?
Montag – endlich neue Hinweise
Nachdem weitere Sichtungen ausgeblieben waren, verabredeten wir uns für Montagmittag mit Aurora und ihrer Hündin Nala zu einem Traileinsatz.
Noch während wir den geplanten Einsatz besprachen, erreichte uns eine Sichtungsmeldung vom Morgen – auf der anderen Seite des Waldes!
Wir machten uns auf den Weg, um die Örtlichkeit zu prüfen und einen geeigneten Platz für eine Futterstelle zu finden.
Doch kaum angekommen, folgte die nächste Meldung: Resi war erneut gesehen worden. Diesmal auf der anderen Seite der Bundesstraße, mitten im Wald.
Wieder ein Ortswechsel.
Der zuständige Jagdpächter unterstützte uns und lotste uns zum Sichtungspunkt. Dort richteten wir eine weitere Futterstelle ein.
Inzwischen war klar: Resi überquerte offenbar immer wieder die B102 und die angrenzenden Bahngleise.
Jede dieser Querungen konnte tödlich enden.
Wir versuchten deshalb, mögliche Laufwege vorauszudenken. Wo könnte sie den Wald verlassen? Welche Wege würde sie vermutlich nutzen?
An einer Pferdekoppel fanden wir schließlich einen weiteren geeigneten Standort und durften auch dort eine Futterstelle einrichten.
Die Hoffnung auf die kommende Nacht war groß.
Doch Resi hatte andere Pläne.
Dienstag – ein Hoffnungsschimmer
Am Morgen kontrollierten wir noch einmal akribisch sämtliche Kamerabilder. Nichts. Keine Resi.
Zusätzlich hatte uns eine unglaublich hilfsbereite Anwohnerin Zugriff auf ihre Grundstückskamera ermöglicht. Für den Fall, dass Resi in das Gebiet zurückkehren würde, in dem sie am Freitag gesehen worden war.
Und dann ging plötzlich alles ganz schnell!
Die Kamera löste aus. Gleichzeitig klingelte unser Telefon beinahe ununterbrochen.
Die zuvor informierten Nachbarn meldeten einer nach dem anderen, dass Resi in Richtung des Grundstücks lief.
Da war sie! Endlich wieder ein Lebenszeichen! ![]()
An einer ursprünglich für Katzen eingerichteten Futterstelle fraß sie die Reste und verschwand anschließend wieder.
Und tatsächlich: Nach all den Tagen trug sie noch immer ihr Halsband samt Leine.
Am Abend richteten wir genau dort eine neue Futterstelle ein. Gleichzeitig planten wir bereits den nächsten Schritt. Da eine Sicherung von Hand zu diesem Zeitpunkt wenig erfolgversprechend erschien, organisierten wir für den Folgetag eine große Lebendfalle der Tierrettung Potsdam.
Resi kehrte zunächst nicht zurück.
Trotzdem hielten wir am Transport der Falle fest. Denn wir wollten vorbereitet und vor Ort flexibel sein.
Mittwoch – jetzt oder nie!
Am Nachmittag machten wir uns erneut auf den Weg nach Treuenbrietzen.
Bevor die Falle eintreffen sollte, wollten wir noch einmal das große, bewaldete Grundstück kontrollieren, auf dem Resi bereits am Freitag gewesen war.
Wir stellten sicher, dass die angrenzenden Grundstücke zur Straßenseite hin geschlossen waren. Lediglich ein Ausgang blieb ungesichert.
Wir teilten uns auf. Einer von uns positionierte sich an diesem Ausgang, der andere suchte das Grundstück ab.
Und plötzlich stand sie da. RESI!
Sie lief am Zaun auf und ab, immer zwischen uns hin und her.
Vorsichtig verringerten wir den Abstand und hofften, dass sie sich in eine Position bewegen würde, in der wir sie sicher greifen konnten.
Doch dann geschah etwas, womit wir nicht gerechnet hatten.
Resi sprang am Zaun hoch und versuchte, darüberzuklettern. Ihre Vorderpfoten waren bereits auf der anderen Seite.
Uns war sofort klar: Wenn sie jetzt über den Zaun kommt, ist sie wieder weg.
Jetzt oder nie!
Wir überwanden die letzten Meter, bekamen sie zu fassen und konnten sie vom Zaun herunterheben.
RESI WAR ENDLICH GESICHERT! ![]()
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Sechs Tage voller Anspannung, Sorgen, schlafloser Nächte und Ungewissheit.
Und plötzlich war da nur noch eines: unendliche Erleichterung.
Mit gleich drei Retrieverleinen gesichert – Sicherheit geht schließlich vor – brachten wir Resi zum Auto.
Zurück auf dem Hof gab es erst einmal etwas zu fressen und zu trinken. Währenddessen sammelten wir über 40 Zecken von ihr ab.
Einige Kratzer, rund 10 Kilogramm Gewichtsverlust und sechs Tage auf der Flucht – Resi hatte einiges durchgemacht. Den Umständen entsprechend hatte sie diese Zeit glücklicherweise gut überstanden.
Ein Dankeschön, das von Herzen kommt
Wir sichern seit vielen Jahren entlaufene Hunde. Wir haben schon unglaublich viel erlebt, schöne und traurige Momente, Hilfsbereitschaft und leider auch das Gegenteil.
Aber was wir in Treuenbrietzen erleben durften, war außergewöhnlich.
Menschen, die spontan anhielten und ihre Hilfe anboten. Menschen, die ihre Zeit, ihre Technik und ihre Grundstücke zur Verfügung stellten. Menschen, die mitdachten, aufmerksam blieben und uns zuverlässig informierten.
Menschen, die uns vorher nicht kannten und trotzdem ohne zu zögern an unserer Seite standen.
Diese Welle an selbstloser Hilfsbereitschaft hat uns tief berührt.
Unser ganz besonderer Dank gilt:
Vivien und ihrer gesamten Familie
Jessie
Maik
Josi
Nancy
Alina
Allen weiteren Helfern, Anwohnern und Unterstützern, die dazu beigetragen haben, Resi wieder nach Hause zu bringen.
Und natürlich euch, liebe Peggy und lieber Jan: Danke für euer grenzenloses Vertrauen, eure Geduld und dafür, dass ihr auch in den schwierigsten Momenten mit uns an einem Strang gezogen habt.
Liebe Resi,
du hast uns ganz schön auf Trab gehalten. Du hast uns Sorgen bereitet, Nerven gekostet und uns mehr als einmal einen gehörigen Schrecken eingejagt.
Aber eines ist sicher: Für diesen Moment, in dem wir dich endlich wieder in Sicherheit wussten, war jede einzelne Stunde den Einsatz wert.
Wir wünschen dir und deinen Menschen von ganzem Herzen alles Liebe.
Passt gut aufeinander auf! ![]()
Hundesicherung des Tierhilfe Hof Samtschnute e.V.
Gemeinsam sichern. Leben schützen. ![]()

